Wirtschaft und Industrie Paraguays
Paraguay ist hauptsächlich Agrarland. Etwa 80% der landwirtschaftlich nutzbaren Flächen gehören einem Prozent der Bevölkerung, d.h. Großgrundbesitz prägt die Besitzstruktur. Es wird Ackerbau, Weide-, Milch-, und Forstwirtschaft betrieben. Es gibt eine starke Schattenwirtschaft. Insgesamt liegt die Wirtschaft weit unter dem Niveau der Weltwirtschaft. Die Armutsrate beträgt 64% und das Pro-Kopf-Einkommen stagniert auf dem Niveau von 1980. In den letzten 10 Jahren ist das Bruttoinlandsprodukt gefallen. Die Arbeitslosenquote liegt bei 25%. Die sozialen Sicherungssysteme sind sehr schlecht entwickelt. Die ohnehin dünn besiedelte „gesunde Mittelschicht" schrumpft ständig. Die schlechte Entwicklung führt man meist auf folgende Punkte zurück:
- unzuverlässige Politik
- Korruption
- Mangel an strukturellen Reformen
- die hohe Staatsverschuldung
- mangelhafte Infrastruktur
Ein Devisenbringer für Paraguay ist das momentan zweitgrößte Wasserkraftwerk der Welt „Itaipú". Es zählt zu den sieben modernen Weltwundern und erzeugt 99,88 % der gesamten elektrischen Energie Paraguays. Stromüberschüsse werden an das Ausland verkauft. Im Jahre 1975 wurde mit dem Bau begonnen und 1991 ging die letzte der 18 Turbinen in Betrieb. Das Wasserkraftwerk mit dem Stausee liegt an der Grenze zu Brasilien. Der Damm staut den Parana auf eine Fläche von 1.350 km² und die Stauanlage ist 7.760m lang und 196m hoch. Die Leistung der Turbinen beträgt etwa 14.500 Megawatt.
Die Rinderzucht zählt zu den Hauptzweigen der paraguayischen Landwirtschaft, besonders auch durch die seit Jahren anhaltende hohe Nachfrage nach südamerikanischem Rindfleisch. Neben der Tierhaltung werden die weiten Flächen auch zum Anbau von Mais, Sojabohnen, Weizen, Erdnüssen, Baumwolle und anderen Nutzpflanzen eingesetzt. Aufgrund der gewaltigen Ausmaße des Landes in Relation zu der Bevölkerungsdichte- und der relativ niedrigen Grundstückpreise erstrecken sich die Farmbetriebe (Estancias) oft über mehrere hundert oder gar tausend Hektar. Flächen, einer für Europäer fast unvorstellbaren Größe. Das günstige Arbeitskräfteangebot ermöglicht eine rentable Führung des Farmbetriebs. Zu den wichtigsten Exportgütern Paraguays gehören Soja, Weizen und Baumwolle neben anderen Produkten.
Seit Jahren sind der industrielle Sektor (Leder/Textil) und die Forst- und Landwirtschaftliche Produktion des Landes rückläufig. Die Mennoniten tragen durch ihre systematische landwirtschaftliche Produktion einen großen Teil zu diesem Sektor bei. Mit ihren rund 15.000 Menschen stellen sie eine nur kleine Minderheit im Land dar. Vor Jahrhunderten sind sie, verfolgt um ihres Glaubens willen, nach Paraguay gekommen, nachdem sie ihr Glück vorher in Preußen und Russland versucht hatten. Im Gran Chaco (Norden des Landes) haben sie eine neue Heimat gefunden. In ihren Kolonien, die Namen wie „Fernheim", „Neuland" oder „Menno" haben, leben sie in Dorfgemeinschaften, wie es auch ihre Vorfahren rund 200 Jahre lang in Russland getan hatten.
Zahlen:
- Bruttoinlandsprodukt 4.600 US$ je Einwohner
- Wirtschaftssektoren: Landwirtschaft 26%, Industrie 27%, Dienstleistung 46%
- Hauptausfuhrprodukte: Soja, Rindfleisch, Baumwolle, Elektrizität, Holz, Leder
- Hauptimportprodukte: Fahrzeuge, Konsumwaren, Tabakwaren, Brennstoffe
- Wichtigste Handelspartner: Brasilien, Argentinien, Chile
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